Ex-Wagner

Hörspiel 60 Minuten
Autorinnen-Produktion


„Eine Muse, die es bereut Muse gewesen zu sein“

Die Schauspielerin hört immer Wagner, wenn sie traurig ist. Wo liegt das Rheingold? In Deutschland oder in der Schweiz? Warum müssen in Opern eigentlich immer die Frauen den Liebestod sterben, um den Helden zu retten? Die Schauspielerin zieht von Leipzig nach Zürich, folgt dem Mythos von Erlösung durch die große Liebe, durch die Kunst. Sie will die ganz große Bühne. Und strauchelt. Und was hat das mit den ostdeutschen Frauen zu tun? Sie erinnert sich an ihre Kindheit in einem anderen Land, der DDR, dann der plötzliche Umbruch und ein neuer Alltag in einem vereinigten Deutschland. Wieso wurde sie eigentlich Schauspielerin und warum genügt es ihr nicht mehr inszeniert zu werden als eine weitere weibliche Nebenrolle? Es geht um Mythen, Rausch, die ausbleibende Karriere, das herbeigesehnte Glück, was man bereit ist zu zahlen und was man nicht mehr bereit ist zu zahlen. Wir blicken auf die alltäglichen Kämpfe als Ostdeutsche im neuen Deutschland, als Deutsche in der Schweiz, als Schauspielerin im Filmbetrieb und als Frau in einer ungleichen Künstlerbeziehung. ©Juliane Trimper

Apfelschorlen

Multi-Media-Performance
80 Minuten

PREMIERE 2021
Brotfabrik Berlin

Was gehen uns Deutsche Migrationsbewegungen an? Wie verändert eine innerdeutsche Migration oder Migration in ein deutschsprachiges Land das persönliche Leben und eigene Identität? Was bedeutet es dorthin auszuwandern, wo es fast so ist wie zu Hause, aber dann doch überhaupt ganz anders beim genauen Hinsehen? Das Projekt „Apfelschorlen“ ist eine Untersuchung über das Weggehen und Fremdsein im Kleinen. Untersucht wird die vielschichtige Verzahnung von Migration und Austausch zwischen Ost- und Westdeutschland und der Schweiz. Mancher Wohnortwechsel ist ein Upgrade, manchmal stellt sich das neue Leben als Downgrade heraus. Was ist das für eine Scham als ungeoutete Ostdeutsche in Westdeutschland zu leben oder als eine Deutsche mit National-Scham in der Schweiz? Wie geht es Schweizern in Deutschland? Wer fühlt sich durch wen gentrifiziert, wer fürchtet um Arbeitsplatz-Verlust durch wen, und wer findet eigentlich welchen Dialekt sexy? In einer ostdeutsch-deutsch-schweizerischen Collage an Performance, Texten und Projektionen werden Multiperspektiven, Privilegien und Vorurteile beleuchtet, auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt ©Juliane Trimper

 

Im Jahr 2019 habe ich angefangen eigene Texte zu schreiben. Schreiben hat für mich eine ermächtigende Komponente. Als Schauspielerin musste ich die Erfahrung machen, wie wenige und wie veraltete Rollen und Texte es für weibliche Schauspieler*innen gibt. Schauspieler*innen können mit ihren eigenen Erfahrungen des Sprechens, Verkörperns und durch Improvisation neue Texte entwickeln und andere Arten der Inszenierung wagen.
Aus meiner Schreibpraxis mit Alice Escher vom Performancekollektiv hannsjana ist in Kollaboration das Hörspiel „Ex-Wagner“ (2020) entstanden. Das Hörspiel handelt vom Weggehen und Fremdsein im Kleinen, das Verhältnis von Ostdeutschland und der Schweiz und dem Frau-Sein bzw. dem Fremdsein im Kunst- und Kulturbetrieb. Die Ambivalenz von Muse und Künstler wird untersucht und die Frage gestellt, wieso eine gleichberechtigte Zusammenarbeit zwischen zwei Kunstschaffenden in einer Liebesbeziehung so selten gelingt.